Open Source · Funktechnik · Schweiz
Was wäre, wenn wir sichtbar machen könnten, welche Informationen moderne Fahrzeuge, Ampeln und andere Verkehrseinrichtungen bereits heute per Funk austauschen? Genau hier setzt OpenTrafficMap an. Das Notfunk Netzwerk möchte diese spannende Technik in der Schweiz bekannter machen, eigene Empfangslösungen erproben und künftig Bauanleitungen zum Nachmachen bereitstellen.
Was ist OpenTrafficMap?
OpenTrafficMap ist ein offenes Gemeinschaftsprojekt, das Funksignale aus dem modernen Straßenverkehr empfängt, auswertet und auf einer Karte sichtbar macht. Die Grundlage heißt C-ITS – kurz für Cooperative Intelligent Transport Systems, also kooperative intelligente Verkehrssysteme.
Bestimmte Fahrzeuge und Verkehrsanlagen können damit direkt miteinander kommunizieren. Dazu nutzen sie unter anderem ITS-G5 auf 5,9 GHz, eine Funktechnik auf Basis von IEEE 802.11p. Anders als bei einer klassischen Smartphone-App muss zwischen Fahrzeug und Ampel für diesen unmittelbaren Funkaustausch keine Mobilfunkverbindung bestehen.
Je nach Ausstattung können beispielsweise folgende Informationen übertragen werden:
- CAM: Positions- und Bewegungsinformationen von Fahrzeugen.
- DENM: Warnmeldungen zu besonderen Gefahren oder Ereignissen.
- SPATEM: Informationen über den Zustand und zeitlichen Ablauf von Ampelphasen.
- MAPEM: Beschreibungen des Aufbaus und der Fahrspuren einer Kreuzung.
Wichtig: Nicht jedes Fahrzeug und nicht jede Ampel sendet solche Daten. Sichtbar wird nur, was vor Ort tatsächlich ausgestrahlt und von einer Empfangsstation erfasst wird. Die Daten werden zudem nicht überall in der Schweiz bereits verfügbar sein.
Woher kommt das Projekt?
OpenTrafficMap stammt aus der offenen Technik- und Entwicklergemeinschaft. Hinter dem Projekt steht der österreichische „OpenTrafficMap – Verein für intelligente Verkehrssysteme“ mit Sitz in Graz. Die Software und die Hardwareentwicklung sind offen dokumentiert; Informationen, Quellcode und Bauunterlagen werden öffentlich bereitgestellt.
Das Notfunk Netzwerk ist nicht der ursprüngliche Entwickler von OpenTrafficMap. Wir möchten das bestehende Projekt vielmehr in der Schweiz unterstützen, die Empfangsmöglichkeiten untersuchen und unsere Erfahrungen mit selbstgebauten Geräten teilen.
Wie funktioniert eine Empfangsstation?
Das Herzstück vieler OpenTrafficMap-Empfänger ist der kostengünstige Mikrocontroller ESP32-C5. Mit passender Firmware kann er ITS-G5-Funktelegramme empfangen. Diese werden über eine Datenverbindung – beispielsweise Ethernet oder über einen zusätzlichen Rechner – an OpenTrafficMap weitergeleitet und dort für die Live-Karte ausgewertet.
Der Funkempfang selbst ist passiv: Der Empfänger steuert weder Ampeln noch Fahrzeuge. Für die Anzeige auf der zentralen Internetkarte müssen die empfangenen Informationen jedoch an den OpenTrafficMap-Server übermittelt werden. Die Reichweite einzelner Empfangsstationen hängt stark von Standort, Antenne und Umgebung ab.
Unser Vorhaben: OpenTrafficMap in der Schweiz voranbringen
Als Notfunk Netzwerk beschäftigen wir uns schon länger mit Funktechnik, eigenständig entwickelten Empfangs- und Kommunikationslösungen sowie robusten Installationen. Dieses Know-how möchten wir auch bei OpenTrafficMap einbringen.
Unser Ziel: Wir möchten in der Schweiz praktische Erfahrungen mit ITS-G5-Empfängern sammeln, geeignete Standorte und Antennen testen, eigene Hardware aufbauen und nachvollziehbare Bauvorschläge veröffentlichen. So können technisch Interessierte das Projekt später selbst ausprobieren.
Es geht uns dabei um Technikverständnis, transparente Experimente und den offenen Erfahrungsaustausch. OpenTrafficMap ist kein Ersatz für ein Notfunknetz; es ist ein eigenständiges Projekt rund um vernetzte Verkehrstechnik. Beim Betrieb achten wir auf einen verantwortungsvollen Umgang mit empfangenen Daten und die geltenden Vorgaben.
Demnächst hier: Bauanleitungen zum Nachmachen
Auf dieser Webseite werden wir Schritt für Schritt eigene Bauvorschläge und Erfahrungen veröffentlichen. Geplant sind unter anderem:
- ein einfacher Einstieg mit einem ESP32-C5-Entwicklungsboard,
- Hinweise zur Firmware und zur Verbindung mit OpenTrafficMap,
- Antennen und Empfangsversuche im 5,9-GHz-Bereich,
- kompakte 3D-Druck-Gehäuse und wettergeschützte Lösungen,
- Stromversorgung, Netzwerkanschluss und praktische Standorttests,
- Bauteillisten, Aufbauhinweise und unsere Messergebnisse.
Die Anleitungen sollen so aufgebaut sein, dass Interessierte die Technik selbst nachbauen und nachvollziehen können – auch ohne teure Spezialhardware. Wir befinden uns mit unseren eigenen Lösungen noch in der Erprobung und ergänzen die Inhalte, sobald sie ausreichend getestet sind.
OpenTrafficMap live entdecken
Wer neugierig geworden ist, kann schon jetzt einen Blick auf die öffentliche Live-Karte werfen. Dort lässt sich beobachten, wo bereits C-ITS-Signale empfangen werden.
OpenTrafficMap-Livekarte öffnen
Auch die Fachpresse beschäftigt sich mit dieser Technik: Das Computermagazin c’t / heise berichtet über ITS-G5 und Anwendungen wie CITS-to-go, mit denen sich entsprechende Ampelinformationen am Smartphone darstellen lassen – vorausgesetzt, die Informationen werden vor Ort ausgesendet und empfangen.
Weitere Informationen und Quellen
- OpenTrafficMap – öffentliche Live-Karte
- Offizielles OpenTrafficMap-Wiki und Projektdokumentation
- OpenTrafficMap – offener Quellcode und Hardwareprojekte
- heise / c’t: Smarter Verkehrsfunk – Ampelphasen am Smartphone anzeigen
Hinweis: OpenTrafficMap ist ein eigenständiges Open-Source-Projekt. Die hier beschriebenen Schweizer Tests und Nachbauanleitungen sind eine Initiative des Notfunk Netzwerks.